MIME-Version: 1.0 Content-Type: multipart/related; boundary="----=_NextPart_01C88945.BAAE8F50" Bei diesem Dokument handelt es sich um eine Webseite in einer Datei, die auch als Webarchivdatei bezeichnet wird. Wenn Sie diese Nachricht erhalten, unterstützt Ihr Browser oder Editor keine Webarchivdateien. Laden Sie einen Browser herunter, der Webarchivdateien unterstützt, wie zum Beispiel Windows® Internet Explorer®. ------=_NextPart_01C88945.BAAE8F50 Content-Location: file:///C:/04F43EC5/Truemma-Else.htm Content-Transfer-Encoding: quoted-printable Content-Type: text/html; charset="us-ascii"
Lagebericht v=
on der
Gefühlstrümmerfront der Weltkriege
von Angela Be=
ate Blum

http://ala= beateblum.twoday.net/
http:= //www.radiobremen.de/extern/mp3/channel030/00005091.mp3
Erst nachdem wir das Weltkriegsjahrtausend hinter uns gelassen hatten, konnten wir Deutschen in größerem Maßstab= den Heilungsbedarf auf der Ebene von Gefühlen und Verhaltensmustern bei Kriegs- und Nachkriegskindern erkennen. Und bekamen eine Ahnung von den dur= ch die Generationen fortgeleiteten Seelenwunden bei ihren Kindern und Enkeln.<= /p>
So weit wie heute waren wir noch nie in der Folgenbearbeitung der Kriege – allerdings hatten wir Deutsche auch no= ch nie so lange Zeit. Sonst hatte spätestens nach 50 Jahren der näch= ste Krieg neue Wunden in das kaum überhäutete Narbengewebe geschlagen. Selbst wenn manche uns anderes weismachen wollen - wir leben in gesicherten Verhältnissen. Die Granatsplitter könnten also in aller Ruhe aus = den Seelen eitern.
Gut wäre, uns mehr Zeit zu nehmen, gemeinsam, in kleineren oder größeren Gruppen für das sanfte und liebevol= le Begleiten dieser von seelischen Schmerzen eingeleiteten Heilungsprozesse – aber allzu oft verfallen wir noch in bewährte Ablenkungen wie Amüsement, Arbeiten oder andere Süchte.
Mit Gefühl – mitgefühlt wird früh in der Kinderzeit. Über viele Kriegskin= der wird berichtet, dass sie ihren verwitweten oder jahrelang alleinstehenden Müttern keine Probleme gemacht hätten ("Hänschen war im= mer guter Dinge"). Hoffnungslos überfordert haben sie sich, um ihren Müttern und Geschwistern den Rücken frei zu halten für den t= äglichen Überlebenskampf. Die ungeweinten Tränen der Erwachsenen ins eigene seelische Gepäck umgeladen. Um dann Jahre später plötzlich a= uf den alten, verbackenen Rest zu stoßen und gar nicht zu wissen, woher = das kommt.
Keine Zeit für Jugendkrisen. Das ist inzwischen a= nders. Gewaltsame Trennungen familiärer Bindungen gehen heute ohne Blutvergießen und Leiche vonstatten und die alleinerziehenden Mü= tter der Jetztzeit kriegen anständige Krisen serviert. Dafür gibt es a= uch Unterstützung vom Jugendamt und Brot ohne Karten. Gleichzeitig liegen mütterliche Nervenenden mitunter ähnlich blank wie früher be= im Bombenalarm.
Hinter vorgehaltener Hand sagen heute etliche, dass sie nicht die Wahrheit sagen, wenn sie gefragt werden, wie es ihnen geht – weil das ja sowieso keiner hören wolle. Wie der Satz einer kriegsvergewaltigten Frau "Zeige der Welt ein lachend Gesicht – weinende Augen versteht sie nicht". Dabei könnten wir uns gegense= itig stützen und trösten in Phasen von Angstattacken, Verzweiflung, Erschöpfung oder Niedergeschlagenheit. Durch öffentliches Darüber sprechen klarkriegen, dass wir nicht als einzelne "krank" oder „unfähig“ sind, wenn wir durch unse= ren Teil der nachgelassenen Gefühlstrümmer stiefeln, sondern solche Prozesse als individuellen Teil an einem kollektiven Heilungsprozess verste= hen dürfen.
Solche Gefühle klopfen uns weich für ein tie= fes und liebevolles Verstehen der Eigenheiten unserer Vorfahren. Oft sieht es so aus, als wenn die Anlässe für diese Dunkelphasen von außen = auf uns zukämen - bis uns gelegentlich die Augen aufgehen und wir erfassen, fast wie mit einem "OH", dass wir dabei sind, Loyalität zu lernen, dass wir unsere Ahnen würdigen, wenn wir Gefühle zulassen, die sich jene nicht erlauben konnten. Vorrangig für sie war das schiere Überleben – womit sie das Überleben der Nachfahren sicherte= n. Und später – wer wollte es ihnen verdenken – zogen sie es = vor, noch ein bisschen von ihrem Anteil an der "heilen Welt" auszulebe= n.
Nun haben wir es also mit vielen Helden zu tun: Helden= des Überlebenswillens, und des Wiederaufbaus, Helden des Gefühlslebens und was ist mit den ganz Jungen? Mir kommt es vor, als stürzten sie si= ch todesmutig in Erfahrungen von Orientierungslosigkeit und fehlender Zukunftsperspektive. Gar nicht so unähnlich den Hitlerjungen beim Endkampf.
"Wir sind Helden!" sagen sich die komasaufen=
den
Dreizehnjährigen und wissen nicht, wie nahe sie damit ihren Groß=
- oder
Urgroßvätern sind, die vor und nach den Fronteinsätzen von
ihren militärischen Anführern mit Alkohol abgefüllt wurden. =
Wie
die Strandhaubitzen.
Ja, Helden sind sie, aber anders als sie denken, gehen= noch mal rein in die ungeheilten Muster ihrer Vorfahren, mit etwas weniger Lebensgefahr als jene, doch einzelne bleiben auch heute auf der Strecke.
8. Mai - der Krieg ist vorbei!
Verkriechen wir uns nun in unsere unsichtbaren Keller = oder teilen wir Freud und Leid? Mitgefühl. Mit uns, mit unseren Vorfahren, unseren Kindern. Vergebung, Erlösung – Gnade für alle. Eine aufregend aktuelle Form gemeinsamer spiritueller Praxis. Lachen, Erleichter= ung. "Hurra, wir leben noch!" Die Trümmerarbeiterinnen damals bildeten Menschenketten, um den kollektiven Schutt zu bewegen.
8. Mai, 19-22 h
"Mit Trümma-Else unterwegs in den Zeiten"
Improvisationstheater = mit Pellkartoffelpause
von Angela Beate Blum,=
Ärztin u. Heilclownin,
12,- €,
erm.8,- €
9. Mai, 19-21 h
“Kriegsfolgen in den Nachkriegsgenerationen“
Vortrag von Sabine Tew= es,
Ärztin u. Familientherapeutin,
8,- €,
erm.5,- €,
beide Abende 17,- S= 64; ,
Ort: Seminarzentrum Rosenberg, Varel.
Anmeldung bei Millek 04456/1466.
Weitere Kontakte: Ange= la Beate Blum
Tel.: 0441 / 88 37 49 = oder
E-Mail: alabee.blum@gmx.de